Kennen Sie den Arbeitsstil Ihres Gegenübers?

Wie gut kennen Sie den Arbeitsstil und die bevorzugte Kommunikation Ihrer Kolleginnen und Kollegen, die neben Ihnen sitzen oder mit Ihnen im Team arbeiten?
Wir begegnen uns jeden Tag im Büro oder stimmen uns in Besprechungen am Bildschirm ab.
Trotzdem sprechen wir erstaunlich selten über grundlegende Fragen: Was ist uns bei der Arbeit besonders wichtig? Wie arbeiten wir am liebsten? Und was empfinden wir als stressig?
Wenn wir Projekte voranbringen, ohne die Arbeitsstile der anderen zu kennen, kommt es früher oder später zu kleinen Missverständnissen und Reibungen.
Auch ich habe das selbst erlebt.
Ich bin jemand, der gerne sorgfältig plant und Aufgaben Schritt für Schritt entlang vereinbarter Meilensteine umsetzt.
Wenn ein Projekt nicht nach Plan verlief oder Teammitglieder Fristen nicht einhielten, verspürte ich deshalb starken Druck und Stress.
„Warum wird nicht so gearbeitet, wie wir es vereinbart haben?“„Warum spricht die Person nicht vorher kurz mit mir darüber?“
Sowohl während meiner Zeit im Außenministerium in Japan als auch später in einem deutschen Unternehmen bin ich immer wieder mit solchen Reibungen konfrontiert worden.
Dabei habe ich mich gefragt, ob Projekte nicht reibungsloser umgesetzt werden könnten, wenn es mehr Gelegenheiten zum Austausch gäbe.
Auch in deutsch-japanischen Teams entstehen ähnliche Frustrationen: etwa zwischen japanischen Entsandten, die Wert auf regelmäßige Berichte, Abstimmung und das gemeinsame Vorgehen legen, und deutschen Kolleginnen und Kollegen vor Ort, die Eigenverantwortung, klare Aufgaben und pragmatische Lösungen bevorzugen.
Doch im Laufe meiner Arbeit mit vielen Projekten und Teams habe ich etwas erkannt:
Diese Reibungen entstehen nicht, weil einer Seite die nötigen Fähigkeiten fehlen oder jemand böse Absichten hat.
Oft sind schlicht die jeweiligen Erwartungen an Arbeitsweise und Kommunikation nicht miteinander geteilt.
Wenn etwas nicht nach Plan läuft oder das erwartete Ergebnis ausbleibt, kann genau darin eine Chance liegen – für das Team und für die Führungskraft, die Zusammenarbeit weiterzuentwickeln.
Statt sich über die vermeintlichen Schwächen der anderen zu ärgern, können wir Irritationen als Hinweis darauf verstehen, dass sich unsere Arbeitsstile unterscheiden. Allein diese veränderte Perspektive kann unseren Umgang miteinander verändern.
Wie wäre es, zu Beginn eines neuen Projekts oder an einem wichtigen Meilenstein bewusst Raum zu schaffen, um eine Art „Gebrauchsanleitung“ füreinander zu formulieren und zu teilen?
Zum Beispiel zu diesen Themen:
Fortschrittskontrolle
Umgang mit Problemen
Entscheidungsfindung
Solche grundlegenden Aspekte der Zusammenarbeit bleiben unsichtbar, solange wir sie unausgesprochenen Erwartungen überlassen.
Besonders wenn unterschiedliche kulturelle und sprachliche Hintergründe zusammenkommen, ist es wichtig, bewusst Gelegenheiten für den Austausch zu schaffen.
Aber auch in Teams mit derselben Nationalität ist der Arbeitsstil von Mensch zu Mensch verschieden.
Der erste Schritt, Unterschiede zu einer Ressource zu machen, mit der wir einander ergänzen können, besteht darin, Interesse am Arbeitsstil der anderen zu zeigen und einen geschützten Raum für den Dialog zu schaffen.
Vielleicht denken Sie: „Ich möchte mich lieber auf meine eigene Arbeit konzentrieren, als mich für die Person neben mir zu interessieren.“
Doch Interesse an anderen und daran, wie sie arbeiten, kann uns auch helfen, uns selbst besser zu verstehen.
Wie wäre es, bei dieser Gelegenheit Zeit für Teambuilding einzuplanen?


