Japan und Deutschland: Arbeitsgrenzen – dehnbar wie Gummi oder hart wie Stahl
- Rumi Hasegawa
- 9. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Eine der wichtigsten kulturellen Unterschiede im deutsch-japanischen Geschäftsleben ist die unterschiedliche Auffassung von „Grenzen“. In Japan und Deutschland unterscheiden sich die Vorstellungen über Aufgabenverteilung und Verantwortlichkeiten erheblich. Dies führt häufig zu interkulturellen Kommunikationsproblemen und Reibungen in internationalen Projekten.

„Stählerne Grenzen“
In deutschen Unternehmen sind die Aufgaben klar nach Stellenbeschreibungen (Job Descriptions) verteilt. Die eigenen Aufgaben und die der Kollegen sind wie Puzzleteile klar voneinander abgegrenzt.
Diese „stählernen Grenzen“ haben den großen Vorteil, dass Verantwortlichkeiten klar definiert sind und die Arbeit effizient voranschreiten kann.
Andererseits besteht das Risiko, dass „ein fallender Ball“ – also eine Aufgabe, die zwischen den Grenzen liegt – von niemandem aufgefangen wird. Es kommt nicht selten vor, dass eine Aufgabe in einer Lücke zwischen Zuständigkeiten liegen bleibt und dadurch Projekte verzögert werden.
„Dehnbare Grenzen“
In japanischen Unternehmen sind die Arbeitsgrenzen hingegen wie Gummi: Sie dehnen und schrumpfen je nach Situation.
Wenn jemand Hilfe benötigt, gilt es als Tugend, auch außerhalb des eigenen Aufgabenbereichs zu unterstützen. Dies fördert den Teamzusammenhalt und die Flexibilität.
Allerdings kann eine zu starke Dehnung der Grenzen dazu führen, dass Verantwortlichkeiten unklar werden und die individuelle Belastung unkontrolliert ansteigt. Dies ist eine Ursache für Überstunden und Überlastung, was letztlich die Gesamtleistung des Teams beeinträchtigen kann.
Praktische Reibungen und deren Auswirkungen
In gemischten deutsch-japanischen Projektteams führen diese Unterschiede zwischen „stählernen“ und „dehnbaren“ Grenzen oft zu Reibungen.
Die deutschen Teammitglieder ärgern sich häufig darüber, dass die Rollen in Japan zu unklar sind, während die japanischen Kollegen sich über die mangelnde Flexibilität der Deutschen beklagen.
Solche Reibungen behindern die Kommunikation, verzögern Entscheidungen und senken die Motivation im Team.
Der Schlüssel zur Lösung: Die „Materialien“ der Grenzen verstehen
Um diese Reibungen zu lösen, ist es nicht notwendig, die Grenzen neu zu ziehen.
Vielmehr ist es wichtig, die „Materialien“ – also die Beschaffenheit und Eigenschaften der jeweiligen Grenzen – gegenseitig zu verstehen und darauf basierend Lösungen zu entwickeln.
Konkret bedeutet das, Kommunikations- und Managementmethoden zu finden, die die Stärken beider Kulturen nutzen.
Und diese Betrachtung der „Grenzen“ gilt nicht nur für die Arbeit, sondern auch für zwischenmenschliche Beziehungen.
Wenn Sie Interesse haben, melden Sie sich bitte gern über den Kontaktbereich bei mir.


