Warum scheitern kompetente Fachkräfte in interkulturellen Teams?
- Rumi Hasegawa
- 17. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Sprachkenntnisse sind vorhanden. Die wichtigsten Umgangsformen wurden erlernt.
Und dennoch erleben viele Menschen im interkulturellen Arbeitsumfeld ein schwer erklärbares Gefühl von Gereiztheit oder eine tiefe Erschöpfung, deren Ursache sie selbst kaum benennen können.
Ich habe immer wieder beobachtet, wie entsandte Mitarbeitende sich zunehmend isolieren oder wie in multikulturellen Teams kleine Irritationen zu großen Konflikten anwachsen. All dies ist kein Zeichen mangelnder Kompetenz oder fehlenden Engagements.
Interkultureller Stress als eine hohe innere Spannung
Interkultureller Stress zeigt sich selten direkt. Er entsteht dort, wo eigene, tief verankerte Werte, Erwartungen und Selbstverständlichkeiten auf neue, fremde Werte und Normen treffen – ohne dass ein klarer Orientierungs- oder Handlungsrahmen zur Verfügung steht.
Aus dieser Kollision entsteht eine hohe innere Spannung – eine Form von Energie, die nach Ausdruck sucht. In der Praxis zeigt sie sich meist in zwei unterschiedlichen Richtungen.
Nach außen gerichtete Energie
In der ersten Form richtet sich die Energie nach außen. Typische Gedanken sind:
„Ihre Arbeitsweise ergibt mir keinen Sinn!“
„Die anderen sind schuld daran, dass ich mich unfair behandelt fühle.“
Diese Energie äußert sich in Ärger, Frustration, Ironie oder offener Kritik. Bleibt sie unreflektiert, kann sie sich zuspitzen – bis hin zu Ausgrenzung, Sündenbockmechanismen oder Mobbing.
Nach innen gerichtete Energie
In der zweiten Form richtet sich die Energie nach innen. Gedanken wie:
„Weil ich nicht genug Mühe gebe, komme ich nicht zurecht.“
„Ich bin offenbar nicht anpassungsfähig genug.“
Hier wendet sich die Energie gegen die eigene Person und zeigt sich in Selbstzweifeln, Schuldgefühlen, Rückzug oder depressiven Verstimmungen. Nicht selten folgen daraus körperliche Beschwerden oder ernsthafte psychische Belastungen.

In solchen Situationen greifen viele Menschen unbewusst auf eine scheinbare Alternative zurück: entweder auszuhalten und sich selbst zu erschöpfen –oder zu konfrontieren und Beziehungen zu beschädigen.
Doch genau diese Zweiteilung verschärft das Problem.
Interkultureller Stress lässt sich nicht vollständig vermeiden. Entscheidend ist ihn bewusst zu steuern.
Spannung lässt sich neu ausrichten
In meiner Arbeit unterstütze ich Einzelpersonen und Organisationen dabei, diese Energie nicht in Stillstand oder Eskalation münden zu lassen, sondern sie so neu zu positionieren, dass Entwicklung und Zusammenarbeit möglich werden.
Dabei geht es weder darum, die Persönlichkeit zu verändern, noch um oberflächliche Positivität. Auch reine Benimmregeln oder Kommunikationstechniken greifen hier zu kurz.
Für Einzelpersonen: Entsandte Mitarbeitende & Fachkräfte in internationalen Arbeitsumfeldern
Sie merken, dass Sie immer häufiger „durchhalten“ statt wirklich handlungsfähig zu sein
Sie verspüren unerklärliche Gereiztheit oder anhaltende Erschöpfung
In der 60‑minütigen Session analysieren wir Ihre aktuelle Situation als Struktur. Ziel ist es, Klarheit zu gewinnen und konkrete Handlungsoptionen für den Arbeitsalltag zu entwickeln.
Für Organisationen & Führungskräfte
Was sich bei Einzelpersonen als Erschöpfung, Rückzug oder Konflikt zeigt,ist häufig Ausdruck einer strukturellen Spannung im System.
Ich begleite Organisationen dabei, interkulturellen Stress frühzeitig zu erkennenund so zu bearbeiten, dass Zusammenarbeit, Bindung und Leistungsfähigkeit erhalten bleiben.


